Aus Liebe am Schreiben

Armathia - Ein Göttliches Erbe


Ein gewaltiger Sturm zog über die griechischen Inseln, die Wellen türmten sich mehrere Meter hoch und trugen beträchtliche Schaumkronen. Dunkle Wolken klammerten sich aneinander und ließen gemeinsam den Regen in Strömen fließen. Grelle Blitze zuckten und fuhren durch sie hindurch. Es war ein Unwetter, das kein Lebewesen freiwillig aufs Meer hinaustrieb. Überraschend, wie durch ein Wunder, zog sich der Sturm auf einmal zurück, nur noch ein laues Lüftchen wehte. Die Wolken rissen auf und brachten einzelne Sonnenstrahlen zum Vorschein. Das Meer war spiegelblank. Keine Welle regte sich und dort, wo vor kurzem noch der Sturm sein Unwesen trieb, schaukelte eine kleine goldene Kiste wie eine Nussschale auf dem Wasser. Hatte Poseidon ein Einsehen gehabt? War es Zufall, dass zur selben Zeit ein Segelboot auf dem Meer trieb? Sein Mast war gebrochen und die Segel hingen in Fetzen herunter. Ein Mann, dessen Hemd nur noch aus den Trägern und Löchern bestand und der dem Sturm offensichtlich Stand gehalten hatte, hielt sich am Rest des Mastes fest und ließ seinen Blick schweifen. Plötzlich hielt er inne. Was schwamm da im Wasser? Es war eine vergoldete Kiste, die an seinem Deckel rundherum mit Schnörkeln verziert war. Der Mann griff nach dem abgebrochenen Stück des Mastes, um den Behälter zu sich zu ziehen. Er hob ihn aus dem Wasser und mit einem noch vorhandenen Schraubenzieher, aus seinem Werkzeugkasten, hebelte er den Deckel auf. Als er sah, was die Kiste beinhaltete, war er einer Ohnmacht nahe. Alles hatte er erwartet, nur das nicht. Ein Baby, nicht älter als allenfalls ein halbes Jahr, lag, in ein weißes Tuch gehüllt, in dem Kasten, der mit einem weißen Kissen ausgepolstert war. Tränen, die inzwischen getrocknet waren, hatten Spuren in dem kleinen Gesicht hinterlassen. Angstvoll sah es den fremden Mann an und begann zu wimmern. Das Kind trug eine Goldkette um den Hals, an der ein Amulett hing. Der Mann, sein Name war John Campbell, öffnete es. Das anmutige Gesicht einer jungen Frau sah ihm entgegen. John nahm das Baby auf den Arm, um es zu beruhigen. Er redete ihm leise zu und das Wimmern verstummte. Woher er diese Gabe hatte, war ihm fremd. Zu seinem Leidwesen war er stets kinderlos geblieben. Ihm hatte die richtige Frau gefehlt.
„Ach du großer Gott“, entfuhr es ihm. „Wer hat das mit dir gemacht? Deine Mutter oder dein Vater? Wie kann man das einem Kind antun?“ John war erschüttert. Er beschloss, den Kleinen mit nach England zu nehmen. Er wusste, in Griechenland käme der Junge in ein Waisenhaus. John hatte viel Geld und er kannte gewisse Leute. Es war also kein Problem, für den Kleinen, denn dass es sich um einen Jungen handelte, hatte er bereits festgestellt, einen Ausweis erstellen zu lassen. Er hatte eine einsame Villa auf Kreta gemietet, die er nun mit dem Säugling ansteuerte. Zuvor erkundigte er sich in einer Apotheke, was so ein kleines Kind alles benötigte und war bald bestens ausgestattet. Zwei Wochen später landete er als frisch gebackener Vater mit Daniel, den
Namen gab er dem Kleinen, in London. Von da aus fuhren sie in sein Landhaus in Frimley, das nur etwa eine gute Stunde vom Flughafen Heathrow entfernt lag.
Daniel entwickelte sich zu einem hübschen Jungen mit braunem lockigen Haar und von großer stattlicher Statur. Er war sehr intelligent und hatte eine schnelle Auffassungsgabe. Sein Vater hatte ihm erzählt, dass seine Mutter bei der Geburt gestorben war, was dem Jungen ein schlechtes Gewissen bereitete. Nachts quälten ihn des Öfteren schwere Albträume, die er darauf zurückführte. Es waren stets dieselben Träume. Er befand sich in einem engen dunklen Raum, der sich nach allen Seiten bewegte, und er versuchte zu schreien, doch es gelang ihm nicht. Und da war immer wieder diese schreckliche Angst, ertrinken zu müssen. Er verspürte dann eine entsetzliche Kälte. Daniel traute sich nicht, seinem Vater davon zu erzählen. Er dachte, irgendwann würden diese Albträume vergehen. Dieser Wunsch ließ jedoch lange auf sich warten.
Nach dem Abitur begann Daniel, zusammen mit seinem besten Freund Max, Medizin zu studieren. Da sein Vater schwer erkrankte, gab es für ihn keine andere Option. Er hoffte nur, dass er das Studium beenden konnte, bevor sein Vater starb. Leider tat John ihm nicht den Gefallen. Eines Nachts rief er seinen Sohn zu sich, um ihm zu erzählen, dass Daniel ein Findelkind sei und er ihn als Baby in einer Kiste mitten im Meer fand. Er strich ihm über das braune lockige Haar. Seine letzten Worte:
„Es tut mir so leid, für mich warst du immer mein Sohn“, strengten ihn so sehr an, dass Daniel ihn kaum verstand. Lange saß er in dieser Nacht am Bett seines Vaters, denn für Daniel würde John immer sein Vater bleiben. Er hatte ihm schließlich das Leben gerettet und ihn aufgezogen. Die Geschichte, die er ihm in seiner letzten Nacht erzählte, war so ungeheuerlich, dass er sie nicht glauben konnte. Von da an hörten seine Albträume auf, jedoch der Wunsch zu wissen, wer er wirklich war, ließ ihn nicht los.


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